Vom 6.-11. November 2017 fand ein durch Mittel des DAAD im Rahmen der Germanistischen Institutspartnerschaft Augsburg/Budweis geförderter Workshop zum Thema „Phantastisches Böhmen“ an der FF Ju statt. An ihm beteiligten sich Lehrende beider Universitäten (Fromholzer, Pieles, Latál, Eder, König, Forkel), Studierende der Universitäten Augsburg und Bamberg sowie Studenten aus allen Jahrgängen des Instituts für Tschechisch-Deutsche Areale Studien und Germanistik.

 

  

 

Gemeinsam präsentierte und diskutierte man eine Woche lang die Frage, ob es in den Werken von Alfed Kubin („Die andere Seite“), Gustav Meyrink („Der Golem“) und Franz Kafka („Die Verwandlung“) einen spezifisch „böhmischen“ Anteil an Phantastik gibt. Neben die intensive Auseinandersetzung mit den Texten trat ergänzend die mit medialen Repräsentationen: die Bilder und Illustrationen Alfred Kubins, etwa seine „Böhmerwald-Mappe“, die Verfilmung des „Golem“ aus den 20er Jahren und Kafkas rätselhaften Zeichnungen. Eingeführt durch einen sachkundigen und anschaulichen Vortrag von Dr. Hynek Latál (Institut für Kunstgeschichte, FF JU) über Kubins zeichnerisches Werk suchte man nach Korrespondenzen, aber auch Differenzen zwischen Kubins textuellem und visuellem Werk.

 

  

 

Alfred Kubin (Gruppe Höchstötter, Kučerová, Suchanová und Bezoušková) erwies sich als eine Art Sammelbecken zeitgenössischer esoterischer Diskurse und Ideen, die seinen Roman „Die andere Seite“ für heutige Leser nur sehr schwer zugänglich machen (anders als das bildnerische Werk, das noch heute, z.T. schockartig, wirkt). „Der Golem“ (Gruppe Ditrichová, Karpíšková, Horký und Stěpanková) verdichtet ähnlich Elemente jüdischer Mystik mit Bildern aus dem alten, sagenumwobenen Prager Ghetto. Seine Verfilmung macht sich fast durchweg frei vom Roman, wird beinahe zu einer Zeitreise ins böhmische Mittelalter, gesehen im Kontrast zur pulsierenden modernen Großstadt der k.u.k. Monarchie. Franz Kafkas phantastische und zugleich konkret-sachlich erzählte Geschichte von der Verwandlung eines Mannes in einen Käfer (Gruppe Reindl, Reitinger, Kadrnožková und Malinak) wurde unter erzählperspektivischen wie autobiographischen Aspekten diskutiert, wobei sich das zeichnerische Werk Kafkas als erstaunlich „analog“ erwies.

 

  

 

Im Rahmenprogramm konnten deutsche und tschechische Studenten in einem „Kneipen-Quiz“ Fakten und Personen aus der Geschichte beider Länder erraten – oder eben nicht erraten! Es gab in diesem lustigen Wissens-Test (Organisation: Kubátova, Hazukova, Tošič) zwar Gewinner und Verlierer, sogar „beurkundet“, eindeutiger Sieger dabei war aber der gemeinsame Spaß! Eine ganztägige Exkursion nach Prag, auf den Spuren Kafkas (Museum, Wohnstätten) und Meyrinks (Alter Jüdischer Friedhof, Pinkas-Synagoge) sowie eine Visite im Haus deutschsprachiger Prager Literatur versuchte, über die Zeit hinweg die Räume der Texte noch einmal lebendig werden zu lassen.

Die drei Präsentationen gaben Einblicke in Werke, ein erster Anstoß vielleicht für daraus entstehende Arbeiten und Studien aller Beteiligten. Auf jeden Fall aber wurden die ohnehin schon intensiven Verbindungen und freundschaftlichen Beziehungen zwischen Augsburg und Budweis durch diesen Workshop noch einmal enger, dauerhafter. Das nächste gemeinsame Projekt kann kommen!